Egoismus

      Hallo,

      also ich hab gebrütet und merke, dass mir drüber reden gut täte. Und hier ist die Bandbreite der Leute so angenehm groß :)

      Also, ich hab kein Problem, weil jemand anders egoistisch ist, sondern weil ich es bin - ich kann irgendwie nicht so sein, dass sich andere immer nur wohl neben mir fühlen und das wird mir besonders von denen vorgeworfen, mit denen ich besonders eng befreundet bin - naja, nicht von allen, aber gerade aktuell von einer und es macht mich so traurig und verzweifelt, weil ich nicht weiß, wie ich da was ändern kann.
      Das Oberätzende daran ist, dass ich sie sehr mag und überhaupt nichts gegen sie habe und auch kein Problem mit ihnen, sondern sie mit mir.

      Ich reagiere ab und zu nicht so wie andere und empfinde ziemlich viel Liebe für ganz Vieles und ich mag gern Menschen und sehe sie auch gern an. Manchmal bin ich dabei einfach nur so fasziniert, weil Menschen so aus sich leuchten, dass ich dann nicht wegsehen kann. Aber ich mach niemanden nackig mit meinem Gucken.

      Und ich verstehe negative Agressivität nicht - also ich merke schon, wenn jemand in welcher Form auch immer sich gewalttätig agressiv mit jemandem/mir konfrontiert. Nur mich bringt das irgendwie nicht zu einer aggressiven Reaktion - also es gibt einfach ganz viele andere Möglichkeiten, das zu erleben, als mich angegriffen zu fühlen und ich fühle mich dann einfach nicht angegriffen - aber das regt andere auf.
      Naja, jedenfalls führt das dazu, dass andere sich nicht ernst genommen fühlen, obwohl es mir sehr ernst ist und ich nur nicht adäquat zurückbrüllen kann.

      Und ich bin nicht aus der *Licht-und-Liebe-Fraktion*, die nach Räucherstäbchen riechen und Aggressionen mit Lächeln und zusammen gebissenen Zähnen übergehen. Ich kann durchaus wütend sein, aber das ist dann sehr energiereich und es wäre ja blöd, das gegen Menschen zu richten, anstatt dafür einzusetzen, um ein Problem zu lösen.

      Als ich noch einen Chef hatte und der gerne zum Brüllen (nicht nur bei mir) neigte, hab ich ihn mal gefragt, ob er erwartet, dass ich adäquat reagieren soll, weil ich das nicht kann und er sich immer mehr reinsteigert - wieso muss man über Probleme brüllen? Ich sag ja nicht, dass er nicht darf, nur ich kanns einfach nicht.

      Naja und letztens saß ich in der S-Bahn und habe gelesen und dabei sicherlich auch gelächelt, weil es nett war, was ich gelesen habe und da hat mich jemand angeschnauzt, dass ich aufhören soll zu lächeln oder er würde mir in die Fresse hauen - dabei hab ich den garnicht angesehen.

      Mein Egoismus besteht darin, dass ich finde, dass ich mich nicht ändern muss, weil sich andere von meiner Freundlichkeit verarscht fühlen, nur weil sie sich nicht vorstellen können, dass es jemand so meinen könnte. Wenn ich versuche, so zu tun, als würde ich mich aufregen, dann wäre das viel weniger authentisch und wenn ich die wäre, dann würde ich mir dabei erst wirklich verarscht vorkommen, weil das Schauspielern zu merken wäre.

      Also, die Forderung an mich heißt: ich soll Leute nicht ansehen, oder wenn dann wenigstens nicht so, wie ich gucke (wie kann mensch anders gucken lernen :confused2 ) und ich soll aggressiv werden.
      Ich weiß nicht, wie ich das machen soll ohne mich zu verstellen und ich finde es absolut ätzend, dass ich mich ändern soll und ich egoistisch wäre, nur weil andere sich von Freundlichkeit bedrängt fühlen.

      Ich hab da nur zwei Möglichkeiten - ich beharre "dickköpfig" darauf, so zu sein, wie ich bin oder ich verkrieche mich, wie ich das als Kind oft gemacht habe.

      Aber ich hasse es an mir, das zu erleben, wenn sich Leute durch meine Freundlichkeit/Ausstrahlung in Bedrängnis gebracht fühlen, weil ich das ja nicht will und die ja auch nicht auslache, sondern wirklich ganz ernst nehme ...

      Ja natürlich gibt es mehr Leute, die das angenehm finden und gerne mit mir sind - aber die, die das stört liegen mir einfach am Herzen und ich mag die einfach nicht schlecht machen und abschreiben oder sowas deshalb :heulen:

      Habt Ihr vielleicht eine Idee dazu?
      Viele Grüße, Ute
      hallo utte, ich erkenne aus keinem deiner sätze auch nur einen ansatz von egoismus bei dir.
      was soll daran egoistisch sein, dass du einfach ein freundlicher mensch bist ?
      wenn dir jemand was in die fresse hauen will, weil du lächelst, dann hat derjenige eine macke und nicht du.
      wenn dein freundin nicht ausstehen kann, weil du immer nett bist, dann sollte sie an sich arbeiten.
      also langer rede , kurzer sinn...ich stelle bei dir keinerlei egoismus fest.
      gruß
      erni
      Erni
      Hallo Männer,

      naja, also ich hab ein Problem damit das mit dem Wert-sein zu verstehen.

      Jeder Mensch hat eine natürliche Würde und die nehme ich auch bei einem besoffenen, vollgepinkelten Penner wahr. Das muss sich kein Mensch verdienen - und das ist eben so bei mir.

      Als ich Kind war, hat mich mal ein 3 Jahre älterer Klassenkamerad, neben den ich gesetzt wurde, mit nem Leberhaken in die Ohnmacht gebracht. Mit dem hab ich nachher was zum Basteln für die ganze Klasse vorbereitet und er war danach nicht mehr nur in Konfrontation mit allen, weil er gesehen hat, dass er die anderen auch auf nem Weg ohne prügeln erreicht.

      Damals wurde mir erklärt, dass ich mir nichts wert wäre, weil ich das gemacht habe - aber ich weiß nicht, warum das andere so sehen - auch heute nicht, denn meine Würde wird doch nur durch meine Achtung vor mir selbst begründet und nicht, weil mich jemand gut findet oder was für sich wertvoll findet, was ich kann.

      Jemanden nicht wert erachten oder in mir abwerten, weil der/die was an mir nicht mag, also ich kann das so nicht fühlen, weil ich einfach deren Würde empfinde - :rolleyes:

      Geht Euch das garnicht nahe bzw. macht Euch traurig, wenn eine intensive Freundschaft kriselt, so dass Ihr den anderen einfach in die "nicht wert sein-Schublade" tun könnt?
      Also, bitte nicht falsch verstehen - ich will das nicht kritisieren, sondern gern wissen, wie das gefühlsmäßig geht, damit ich das verstehen kann, was "wert sein" für Euch bedeutet.
      ein wirklicher freund von mir hat mir die freundschaft gekündigt, weil ich sein verhalten gegenüber seiner frau und seinen kindern..und gegenüber seiner geliebten kritsiert habe. da er beide frauen einfach in unsicherheit gelassen hat, wo er denn in zukunft wohnen wird und seine kleinen söhne sehr darunter leiden und schon verhaltensstörungen haben.
      das waS ER AN DEN TAG LEGT; DAS IST EGOISMUS PUR !!!!!
      er tut was er will und seine beiden frauen haben das eben zu akzeptieren.
      weil ich ihm über sein verhalten meine meinung gegeigt habe, hat er die freundschaft aufgekündigt.
      ok, war doch wohl kein guter freund, der die wahrheit nicht vertragen kann.
      Erni
      Hallo Scorpio,

      Scorpio schrieb:

      Hallo Utemi, :wave:
      im Augenblickthread habe ich Dir noch was geschrieben. Vielleicht paßt das zu deinem Eingangsposting in diesem Thread.

      ich kopiere das grad mal hierher - danke :)

      Scorpio schrieb:

      Die spüren dann wahrscheinlich so etwas wie ihre eigene Unsouveränität. Freundlich, was ja auch offen heißt stößt dort wohl übel auf, weil sie spüren wie wenig Licht sie haben oder wie wenig sie Ausstrahlen. Wie sie sich der Welt verschloßen haben. Freundlich heißt irgendwie drüber zu stehen über den Unbilden des Lebens. Wer ehrliche Freundlichkeit ausstrahlt wird oft beneidet.


      Mir ist gerade was eingefallen :boots:
      Also, wenn es so wäre, dass der, der mir in die Fresse hauen wollte, dachte, dass er freundlich sein muss, weil sein Gegenüber freundlich ist - der also erwartet, sich nach seiner Umwelt richten zu sollen und nicht nach seinem Scheiß-Gefühl, was er grad hat, dann ergäbe das einen Widerspruch. Und dann verstehe ich sogar - angenommen, dass andere denken, sie müssten so sein, wie das andere von ihnen erwarten könnten, und sie können das aber nicht, dass es einen Widerspruch gibt und der führt zu einer inneren Krise und dazu, dass mensch ne Aggression entwickelt, die jemand anderes garnicht erahnen kann.

      Oh menno, wenn das wirklich so wäre, dann würd ich das langsam verstehen ...
      Zitat von Scorpio
      Die spüren dann wahrscheinlich so etwas wie ihre eigene Unsouveränität. Freundlich, was ja auch offen heißt stößt dort wohl übel auf, weil sie spüren wie wenig Licht sie haben oder wie wenig sie Ausstrahlen. Wie sie sich der Welt verschloßen haben. Freundlich heißt irgendwie drüber zu stehen über den Unbilden des Lebens. Wer ehrliche Freundlichkeit ausstrahlt wird oft beneidet.


      ...das was Scorpio hier sagt ist so ziemlich genau das, was ich gestern abend gemeint habe... :)

      sie spüren sich selbst... vergleichen sich mit Dir... fühlen durch Deine Art ihre eigenen Grenzen... fühlen sich verunsichert und suchen die Ursache dann bei Dir...

      phyllis schrieb:

      ...das was Scorpio hier sagt ist so ziemlich genau das, was ich gestern abend gemeint habe... :)

      sie spüren sich selbst... vergleichen sich mit Dir... fühlen durch Deine Art ihre eigenen Grenzen... fühlen sich verunsichert und suchen die Ursache dann bei Dir...


      Hallo Phyllis - würdest Du dem zustimmen, dass sie verunsichert sind, weil sie denken, dass sie auch so sein müssten und nicht wollen?
      Oder warum verunsichert das?

      :hug:

      Utemi schrieb:

      Hallo Phyllis - würdest Du dem zustimmen, dass sie verunsichert sind, weil sie denken, dass sie auch so sein müssten und nicht wollen?
      Oder warum verunsichert das?

      :hug:


      naja, Du hast schon eine bewundernswerte Gabe mit Menschen umzugehen - ich hab Dir schon verschiedentlich gesagt, dass ich mir nur zugern davon ne Scheibe abschneiden würde...
      Das geht vermutlich vielen andern Menschen auch so.
      Man muss dann schauen, ob man mit der empfundenen eigenen "Unzulänglichkeit" leben kann, oder sie als Bedrohung empfindet.

      phyllis schrieb:

      Man muss dann schauen, ob man mit der empfundenen eigenen "Unzulänglichkeit" leben kann, oder sie als Bedrohung empfindet.


      Klasse, da isser, der Spiegel.

      Ich danke Dir :bussi: und den Männern ganz herzlich für alle Gedanken.

      Ist doch immer schön zu wissen, wozu was gut ist.

      Liebe Grüße, Ute
      Das ist ja interessant.

      Mit Egoismus hat das aber nichts zu tun. Wenn du einfach so BIST und gerne so bleiben möchtest, musst du halt in Kauf nehmen, dass manche Menschen damit nicht umgehen können und eine Abneigung gegen dich haben. Wenn dich die Reaktionen stören, dann solltest du überlegen, was du selber ändern könntest. "Schaden" tust du mit deinem Verhalten sicher niemandem.

      Auf den ersten Blick wirkt das total widersprüchlich: Anderen mit einer positiven Ausstrahlung das Gefühl geben, sie zu verarschen, andere damit zu aggressiven Reaktionen zu provozieren.

      Schon als ich gelesen hatte, was du im Glucken-Thread zu dem Thema geschrieben hattest, habe ich mir versucht, vorzustellen, was da abgeht. Dabei ist mir eine Kollegin eingefallen (ich will die jetzt echt nicht mit dir vergleichen, ich kenne weder dich noch die Kollegin näher, das war nur so eine Assoziation). Die ist so laut-positiv, selbst in den banalsten Situationen, dass es tatsächlich nervt. Ich kann nicht genau sagen, was da nervt, es wirkt irgendwie übertrieben, wie Theater. Man hat das Gefühl, dass das "Positive" einem irgendwie aufgedrängt wird, während man selber gerade anders, zB einfach bloß "normal" drauf ist.

      Mich zB faszinieren Menschen überhaupt nicht deswegen, weil es Menschen sind. Für mich gibt es Idioten, Menschen die mir egal sind und Menschen, die ich mag oder interessant finde. Diesbezüglich alle in einen Topf zu werfen käme mir nicht in den Sinn. Ich praktiziere aber schon so ein "Leben und leben lassen", andere so akzeptieren wie sie sind usw. Hassen tue ich (seit langem) niemanden, das macht nur negative Energie. Da ich mit meinem Leben recht zufrieden bin, habe ich sicher auch meist eine positive Ausstrahlung. Aber ich hatte noch nie das Gefühl, anderen damit auf die Nerven zu gehen. Vielleicht weil das bei mir irgendwie zurückhaltend rüberkommt? Weil ich mich irgendwie auf den jeweiligen Interaktionspartner und dessen momentane Stimmung einstelle?

      Ich weiß nicht genau, ob bei den Gedanken jetzt was dabei ist, was dir helfen könnte. Würde mich aber interessieren!

      Twi-n-light schrieb:


      Schon als ich gelesen hatte, was du im Glucken-Thread zu dem Thema geschrieben hattest, habe ich mir versucht, vorzustellen, was da abgeht. Dabei ist mir eine Kollegin eingefallen (ich will die jetzt echt nicht mit dir vergleichen, ich kenne weder dich noch die Kollegin näher, das war nur so eine Assoziation). Die ist so laut-positiv, selbst in den banalsten Situationen, dass es tatsächlich nervt. Ich kann nicht genau sagen, was da nervt, es wirkt irgendwie übertrieben, wie Theater. Man hat das Gefühl, dass das "Positive" einem irgendwie aufgedrängt wird, während man selber gerade anders, zB einfach bloß "normal" drauf ist.



      Ute, auf diesen Abschnitt bitte ich mal um Antwort... danach schreib ich auch noch was dazu...
      Hallo Ihr Zwei,

      also ich bin wirklich eher zurückhaltend - natürlich nicht verschlossen, wenn ich mit Freunden bin, aber ehe ich in ner Runde mal was sage, haben andere schon viel gesagt.
      Früher habe ich meine Arbeitskollegen mal erstaunt, als sie mich bei einem Vortrag erlebt haben und sich nicht vorstellen konnte, das ich so aus mir raus gehen kann.

      Ich verstehe, was Ihr meint und nein - ich muss deshalb nicht zu jeden im Bezug treten, nur weil die für mich Würde ausstrahlen - ich sehe das und finde es einfach schön.

      Und irgendwas "positiv" reden, was aussieht wie ein Scheißhaufen macht garkeinen Sinn für mich.

      In diesem Sinne ist also die Vorstellung, dass ich dauerbreit grinse (dabei hab ich noch nie gekifft) und eben so Licht und Liebe Kram meins wäre, nicht zutreffend.

      Tja, aber ich hab echt kein Bedürfnis danach, jemandem was antun zu wollen. Und mir das kopfmäßig anzugewöhnen, nur damit ich "normal" bin, finde ich irgendwie seltsam.

      Eins ist allerdings zutreffend - ich habe mit vier beschlossen nie mehr wütend zu werden nachdem ich meinem kleinen Bruder einen Stein an den Kopf geworfen habe und er sehr geblutet hat. Es wurde noch lange von den Großen kriminalisiert ...