Konventionen vs. Leben?

      Konventionen vs. Leben?

      Heute scheint definitiv mein "Thread-Eröffnungs-Abend" zu sein. :D

      Neulich las ich ein Buch über das Entstehen von Liebesbeziehungen: Jean-Claude Kaufmann Die Seite ist super!

      Anders als früher, als vor der ersten gemeinsamen Nacht und dem ersten gemeinsamen Morgen meistens geheiratet worden war und die Dinge klar waren, sind die Dinge heute im Vorfeld nicht klar. Der oben genannte Autor schreibt vielschichtig, aber offenbar ist diese "Pragmatik", dieses "wir schauen mal was passiert", nicht ohne Schwierigkeiten. Denn die inneren Unsicherheiten, die daraus entstehen, dass der andere ein UNBEKANNTER ist, können ein ziemlicher Krampf sein.
      Der Autor schreibt nichts dazu, wie das Rollenverhältnis sich eventuell entwickelt. Wer macht den ersten Schritt, und wie handeln die Frauen?

      Ich hatte heute ein interessantes Gespräch: ich berichtete jemandem von einer Begegnung, die ein gewisses "Liebes-Potenzial" zu bergen scheint. Mein Gegenüber erwiederte: "das könnte ein Abenteuer werden!" Auf meine verwunderte Reaktion, da ich nicht dringend nur ein sexuelles Abenteuer suche, erklärte die Person: "ein menschliches Abenteuer, ein Kennenlernen!"

      Oft diskutieren wir hier im Forum über die Diskrepanz zwischen Erziehung (Konventionen) und dem Fliessen-Lassen, sprich: dem Leben!
      Wenn die Begegnung zweier Menschen ein menschliches Abenteuer ist, spricht dann nicht viel dafür, dass die Konventionen egal sind? Weil es eben um eine Begegnung von Menschen geht, die gleiche Rechte haben. Und weil sie gemeinsam erleben, spricht doch eigentlich viel dafür, dass sie sich nicht an sterilen und fremden Mustern orientieren.

      Mag sein, dass mein Thema an '68 erinnert. Vielleicht sind auch alle feministischen Diskurse an mir lautlos vorübergezogen. Oder vielleicht ist bisher nicht meine Sprache gesprochen worden. In meiner Sprache würde ich also sagen, dass zwei Menschen, die sich anziehen, gemeinsam auf einer Welle bleiben sollten. Die Konventionen drängen sie aber voneinander weg - durch Anstandswarten und so-tun-als-ob-ich-mich-noch-2-Tage-aufheben-muss, um-nicht-als-zu-schnelles-Mädchen/Flittchen-dazustehen.

      Keine Ahnung ob ich von vorvorgestern bin, oder ob andere auch diese Diskrepanz in sich fühlen?

      Gruss

      Jule
      sorry, aber die zeiten haben sich geändert. früher sollte/mußte ein mädchen als jungfrau in die ehe gehen.
      heute muß man nicht direkt am ersten abend in die kiste springen.
      aber , wenn man keine katze im sack kaufen möchte, vor der ehe, sollte man schon probieren, ob es auch sexuell klappt. :agree:
      Erni

      Erni schrieb:

      sorry, aber die zeiten haben sich geändert. früher sollte/mußte ein mädchen als jungfrau in die ehe gehen.
      heute muß man nicht direkt am ersten abend in die kiste springen.
      aber , wenn man keine katze im sack kaufen möchte, vor der ehe, sollte man schon probieren, ob es auch sexuell klappt. :agree:

      Ich bin keine die als Jungfrau in eine etwaige "Ehe" gehen würde. Aber der Autor, den ich oben erwähne, bestätigt eben schon den Trend dahin, dass die Leute eben doch rasch in die Kiste springen. Und wer trotz Anziehung sich bedeckt hält, weil er eben diese Diskrepanz in sich hat, der steht ziemlich alleine auf weiter Flur. Dein posting beweist es.
      jule, ich akzeptiere, wenn eine frau oder mädel sich erstmal zurückhalten. keine frage.
      ich habe mit meiner aussage auch nicht mein verhalten kundtun wollen.
      aber ich habe gerade paare kennengelernt, streng katholisch, wo es vor der ehe keinen sex gab.
      und dann kam das böse erwachen.....
      verklemmtheit ohne ende....im endeffekt funktionierte beim sex überhaupt nichts.
      und.......irgendwann trennung, gerade aus diesen gründen.
      ich war früher auch streng katholisch und meine erste frau auch.
      ich weiß genau wovon ich rede. für sie war sex, im sinne des papstes, eine todsünde, wenn es nicht passierte um ein kind zu zeugen.
      scheiße..und damals waren scheidungen einfach verpönt. :agree:
      Erni

      Jule schrieb:

      In meiner Sprache würde ich also sagen, dass zwei Menschen, die sich anziehen, gemeinsam auf einer Welle bleiben sollten. Die Konventionen drängen sie aber voneinander weg - durch Anstandswarten und so-tun-als-ob-ich-mich-noch-2-Tage-aufheben-muss, um-nicht-als-zu-schnelles-Mädchen/Flittchen-dazustehen.


      Gibts diese Konventionen denn noch? Ich stolpere offenbar jedenfalls über keine Männer, die die Einhaltung solcher Konventionen von mir erwarten. Man kann sich auch durch anderes Verhalten als dieses alberne Geziere als Nicht-Schlampe outen ;).
      Hier kommt ein Zitat, das ich auf der oben erwähnten Webseite entdeckt habe. Vielleicht illustriert das etwas besser das Drumherum meiner Gedanken:

      "Kaufmann: Ich habe den Eindruck, dass sich allmählich ein neues Modell der Liebe etabliert, das realistischer und pragmatischer ist. Die Menschen träumen von der leidenschaftlichen Liebe, aber sie misstrauen ihr auch. Sie wollen von der Leidenschaft mitgerissen werden, vom Begehren des anderen. Aber sie wollen auch die Kontrolle behalten, um nicht zu leiden. Die Beziehung befindet sich zu jedem Zeitpunkt auf dem Prüfstand: Man prüft, ob man sich wohl fühlt, authentisch, ob die Gefühle echt sind. Man geht vorsichtig vor, tastend und hofft dabei, sein Glück zu finden. Darin besteht das Drama heute: Man hat solche Angst davor, sich zu täuschen, dass man ganz zaghaft und vorsichtig wird."
      verdammt nochmal!!! sex ist einfach schön !!!!!
      es wirft sich doch die frage auf, warum muß ich in einer beziehung leben, um was schönes zu erleben ?
      wenn ich lust auf sex habe, hole ich mir mein lust erlebnis.
      und das ohne als schlampe oder lustmolch da zu stehen.
      und......die meinung aller anderen soll mir 10 meter am a.....vorbeigehn.
      JAWOLL[/B]
      Erni

      Erni schrieb:

      ok, habe ich verstanden....aber du wolltest andere meinungen da
      zu hören.

      Ja, und ich beantwortete Deine Frage, wie ich fühle. Aber über Eure Meinungen freue ich mich, auch wenn ich das Gefühl habe, dass Du bei dem Thema etwas emotional wirst und meine komplexgestrickte Frauendenke irgendwie nicht nachvollziehen kannst. Aber wir wissen ja schon lange: Frauen sind von Venus und Männer vom Mars. Oder sind alle aus der Milchstrasse? ;)

      Erni schrieb:

      und jetzt......bereite ich mein referat für morgen vor!!!!

      Und mich erwartet eine leckere Pizza!

      Bye Bye!
      :wave:
      Ich finde, dass der von dir zitierte Text überhaupt nichts mit Sex zu tun hat und wundere mich, dass Erni dieses Thema anscheinend herausliest.
      Geistreiches kann ich dazu leider grad nicht sagen, hab leider den ganzen Kopf voll mit Diplomarbeit. Aber ich werd mal drüber nachdenken. Könnte das Zitat aber auch genau so unterschreiben.

      Jule schrieb:

      Aber wir wissen ja schon lange: Frauen sind von Venus und Männer vom Mars.


      Oh Gott, Jule! DAS von dir lesen zu müssen, erschüttert mein Bild von dir über alle Massen!!! :eek2: :staun: :traurig:

      Jule schrieb:

      Oder sind alle aus der Milchstrasse? ;)


      Diese Frage gibt mir Hoffnung, dass du doch noch nicht ganz verloren bist..... :grohl:
      Klar geht es um Sex, aber es geht um eine entscheidende Frage. Hier ein weiteres Zitat aus der verlinkten Website:

      "Weshalb haben Sie sich für den Morgen danach in Liebesgeschichten interessiert? Was wollten Sie daran zeigen?

      Jean-Claude Kaufmann: Meine gesamte Arbeit besteht darin, herauszufinden und zu verstehen, was das moderne Individuum ist, woraus es sich zusammensetzt, wie es sich wandelt und wie es interagiert. Das ist es, was mich an der Paarbeziehung interessiert: das intime Aufeinandertreffen von zwei Personen, von zwei verschiedenen Systemen. Dieses Mal habe ich mir Fragen über die Liebe gestellt. Wie entsteht sie konkret? Wie fällt die Entscheidung, ein Stück des Lebensweges gemeinsam zu gehen? Um hier weiter zu kommen, musste ich mir eine List einfallen lassen, einen Moment oder einen Gegenstand finden, ähnlich dem der Wäsche, der mir einen Einblick gewähren würde. Zunächst dachte ich an das Bett, aber dann wurde mir klar, dass dadurch Sex ohne Zweifel eine zu große Bedeutung bekommen hätte. Der Morgen danach als Gegenstand der Untersuchung erschien mir interessant, weil er eine Einheit von Zeit und Raum bietet und weil er alle Elemente der Liebe enthält. Der Rausch der Sinne des Vorabends ist ein wenig verflogen, aber das Begehren ist noch da und dann fordert der Alltag die Aufmerksamkeit. Im Laufe meiner Untersuchung habe ich entdeckt, dass der Morgen danach nicht nur ein gutes analytisches Instrument ist, sondern ein Ereignis von entscheidender Bedeutung bei der Entstehung des Lebens als Paar.

      Für Sie entscheidet sich also am Morgen danach viel mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

      Kaufmann: Die Begegnung löst einen Zustand der Erschütterung aus, einen Zustand der Erregung und des Wohlbefindens, der sich bis zur sexuellen Apotheose steigern kann. Man hat den Eindruck, dass alles passt, dass man sich liebt und dass der Rest sich schon von allein ergeben werde. Häufig aber entdeckt man am Morgen danach die Banalität des Alltags, der letztendlich den Kern eines Lebens zu zweit ausmacht. In diesem Moment stellt sich die Frage nach der Zukunft des Paares und die Umrisse des Lebens zu zweit deuten sich an."