Ängste

      Ich hab irgendwie vor gar nichts "Angst".

      Ja, Schiss schon, zB vor etwas was körperlich gefährlich wäre, etwa eine riskante Sportart auszuüben. Aber das lass ich einfach im Vorfeld bleiben, auf sowas lass ich mich schon gar nicht erst ein.
      Oder Schiss vor einer unangenehmen Besprechung.
      Das sind aber sozusagen natürliche Warnfaktoren, die einen nur dazu bringen, aufzupassen, also was ganz Vernünftiges und Rationales.

      Aber Angst?

      Natürlich möchte ich, wenn ich alt bin, zB nicht dahinsiechen bzw an einer schrecklichen Krankheit sterben. Aber dafür dass es so kommen wird, gibt es keinerlei Anhaltspunkte, und außerdem könnte ich eh nichts daran ändern wenn es denn so kommen würde.

      Ich hab schon so viele Situationen überlebt, die mir total zuwider waren, dass ich mir denke, irgendwie mit allem fertig werden zu können.
      Ich glaub, dass ich diese allgemeine Zuversicht meiner Mutter zu verdanken habe, die mir diese Zuversicht irgendwie mitgegeben hat, und dafür bin ich wirklich total dankbar.
      du Glückskind :agree: !

      ich habe oft mal Angst, vor allem möglichen, aber am allermeisten vor dem Tod, dem Endgültigen, dem Loslassen und überhaupt allem, was damit zu tun hat und so weh tut. Also weniger vor meinem Tod (aber natürlich auch), sondern vor allem davor, noch mehr liebe Wesen um mich herum zu verlieren...
      @Sunflower

      Sunflower schrieb:

      hm... bei mir kann angst sehr lähmend werden. ich habe manchmal total unbegründete angst aus dem haus zu gehen, bzw. überhaupt aufzustehen.
      Vielleicht ist deine Angst ja gar nicht so unbegründet. Mich würde interessieren, was du in solchen Fällen tust? Bleibst du zu Hause, oder hast du irgendwelche "Tricks" oder so was?

      @Chris

      chris schrieb:

      ...aber am allermeisten vor dem Tod, dem Endgültigen, dem Loslassen und überhaupt allem, was damit zu tun hat
      Ich habe mich ein wenig mit dem Thema Tod befasst. Damals als meine Freundin starb, denn ich hatte gespürt, dass etwas schreckliches passieren wird. Das war damals im Sommer 2001 und ich spürte auch, dass noch mehr schlimme Dinge geschehen werden - dann kam der 11. September und danach stürmte ein Irrer unser Regieungsgebäude und erschoss 14 Menschen. Das alles machte mir Angst, vor allem, dass ich es spürte. Es ist unbeschreiblich. Ich habe mich mit dem Tod auseinander gesetzt und ich war schon immer der Meinung, dass es nicht zu ende ist, wenn wir sterben. Es ist nur eine "Stufe", die uns weiter bringt. Aber wie auch immer, abschied nehmen ist nicht immer leicht und vielleicht ist es für mich schwer, das zu beurteilen, da noch so gut wie niemand (ausser meiner lieben Freundin natürlich) gestorben ist, der mir wirklich viel bedeutet hat, der mir sehr wichtig war. Aber ich weiss, dass jedes "Ende" auch ein Anfang ist. Und gerade als meine Freundin starb und ich nicht verstehen wollte warum, musste ich lernen, dankbar zu sein, für das was ich hatte, was wir gemeinsam hatten. Heute glaube ich fest daran, dass es nach unserem Tod weiter geht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich Angst vor dem Sterben habe, oder (wie auch Chris geschrieben hat) einfach Angst davor meine Lieben zu verlieren. Doch auch da glaube ich, dass ich diese wieder treffen werde...

      Ein Beispiel ist auch, wenn mich eine (kinderlose) Frau fragt, wie denn so die Schmerzen einer Geburt sind. Das kann man nicht beschreiben. Ja, ich gebe zu, ich hatte auch Angst, vor beiden Entbindungen (1x Kaiserschnitt und einmal vaginal), aber mehr, weil ich mir einfach nichts darunter vorstellen konnte...

      mäusl schrieb:

      meine angst vor spinnen: ich habe echt schiss vor diesen biestern.es ist ein gezeter ehe ich sie töten kann, weil ich mich einfach nicht traue. ich habe angst davor, dass das biest flieht und sich dann irgendwo in der wohnung versteckt und mir dann mal übers gesicht krabbelt. mir graut bei dem gedanken!
      Oh ja, bei mir sind es Kakalaken... :wuerg: Aber ich fürchte mich nicht vor ihnen, ich ekle mich vor diesen ekelhaften kreaturen!! Wozu sind die überhaupt gut? :scratch: Spinnenfutter :D ???

      Puma schrieb:

      Mir gefiel ihr Satz: "Das schlimmste ist die Angst vor der Angst." Dann ginge nämilch gar nichts mehr. Stimmt schon, finde ich.

      Was denkt ihr über das Thema Angst und wovor habt ihr Angst? Mit wem redet ihr darüber?

      Hallo Puma,

      es gibt zwei verschiedene Arten von Angst. Einmal die "normale" Angst vor etwas Bestimmtem, mit dem man sich relativ gut auseinandersetzen kann. Die halte ich als Angsthase für absolut harmlos. :) Dann gibt es "die Angst vor der Angst", das beinhaltet nämlich genau wortwörtlich Angst vor der Angst, eine Angst, bei der man in Schweiss ausbricht, das Herz hämmert, man glaubt, keine Luft mehr zu bekommen und jeden Moment verrückt werden könnte. Das letzteres nicht eintritt, muss der Betroffene erst lernen. Das sind alles Symptome einer Panikattacke, ich litt 8 Jahre darunter und sprach mit keinem, weil ich befürchtete, als bescheuert abgetan zu werden. Erst eine Therapie machte mir bewusst, was das eigentlich ist und seitdem habe ich keine Panikattacken mehr bekommen. Es lohnt sich, über Ängste zu reden. :)

      sonne

      sonne schrieb:

      Es lohnt sich, über Ängste zu reden. :)
      Ja genau! Es lohnt sich nicht nur, es ist auch ganz wichtig, finde ich. Wir machen uns sowieso zu oft, zu viele Gedanken, was die Anderen denken könnten, anstatt mehr auf uns selber zu hören.

      Ohne jemanden in eine Schublade stecken zu wollen, habe ich leider schon oft die Erfahrung gemacht, dass Männer schlecht bis gar nicht über Ängste reden können. Kann mir das jemand erklären? Hat das mit dem "Neandertaler" zu tun :D ?

      Puma schrieb:

      Ohne jemanden in eine Schublade stecken zu wollen, habe ich leider schon oft die Erfahrung gemacht, dass Männer schlecht bis gar nicht über Ängste reden können. Kann mir das jemand erklären? Hat das mit dem "Neandertaler" zu tun :D ?


      Über Gefühle zu sprechen fällt den Männern aufgrund ihrer Sozialisation, dem "Konzept Mann" sowie dem damit zusammenhängenden Rollenverhalten oft schwer . Mann spricht nicht über Gefühle und Befindlichkeiten und sicher schon gar nicht über Ängste, weil das eben nicht zu diesem saublöden "Konzept Mann" gehört. Sprechen über Gefühle wird dem Weiblichen zugeordnet und verbietet sich für einen "richtigen" Kerl. :wuerg:
      Danke Erni und Rumpel!

      Muh hat mich, im Zusammenhang mit Männern, auf den Gedanken der Neandertaler gebracht. Und wenn ich mir das so überlege, dass der fürher ein Jäger war und wohl auch keine Angst zeigen durfte, erklärt sich das schon einwenig. Gewisse Männer sind wohl noch ziemlich zurück geblieben... :schmunzl: Aber zum Glück gibt es solche, die die Kurve doch noch gekriegt haben - nur leider sind das viel zu wenige!

      Hat denn einer von euch Männer ein Rezept, wie man Männer "zum Reden" bringt? :peitsche:

      Puma schrieb:

      Hat denn einer von euch Männer ein Rezept, wie man Männer "zum Reden" bringt? :peitsche:


      Ein Rezept? Nein, echt nicht! Ich verkehre, meiner Ausbildung gemäss, vor allem in beruflichen Kreisen, wo beide Geschlechter gern und viel schwatzen. Manchmal zu viel.... :grohl: Privat habe ich auch nur Kontakt zu Männlein und Weiblein, die fähig sind, über sich und ihre Bedürfnisse zu sprechen. Die anderen sind mir entweder zu gehemmt oder zu oberflächlich oder beides. Natürlich darf ich meine Klientel nicht vergessen - da gibt es auch einige stille Wasser. Und wie bringt man die zum Reden? Manchmal gar nicht, manchmal mit ganz viel Geduld. Vertrauen muss geschaffen werden und vor allem muss natürlich beim Gegenüber auch die Bereitschaft zum Gespräch da sein und da dann eben wieder die Bereitschaft, nicht nur ein bisschen an der Oberfläche zu dümpeln sondern mal tiefer zu tauchen!
      Probleme mit der Angst?
      Angst seh ich als gar kein problem - das fängt erst bei der Panik an -> die lähmt.
      Und "Angst" hab ich vor allen Möglichen: Angst, dass ich oder jemand der mir am Herzen liegt eine schlimme Krankheit bekommt, oder ein anderes Unglück zustößt;
      Angst vor der Einsamkeit; Angst vor schlechten Zeiten; Angst vor gewalttätigen Menschen; Angst vor Höhe; Angst vor Hunger, Durst, Armut; ...
      ENDLOS ist die Liste!

      Befand ich mich in beängstigenden Situationen, war der Kampf gegen die Panik schon wieder beängstigend.

      Angst bewältigen?
      Jetzt hätte ich gerne eine Begriffsdefinition für "bewältigen" - klingt für mich eben eh nur nach gewaltsam niederringen... und mehr kann man imho eh kaum. Verdrängen und unterdrücken, wenn sie da ist und droht zur Panik zu werden.

      Und weg/verdrängen aller Ängste ist für mich "normal Leben" - also ich werd in der Regel gottlob nicht wirklich von Ängsten begleitet. Aber ich kenn sie gut.
      Hallo Anton

      Ich weiss was du meinst, es gibt viele Situationen, die einem Angst machen.

      Anton schrieb:

      Verdrängen und unterdrücken, wenn sie da ist und droht zur Panik zu werden.
      Zu beginn der 2. Seite haben wir schon was über die "Bewältigung" geschrieben. Und wie dort schon gesagt wurde, bin ich mir nicht ganz sicher, ob verdrängen und unterdrücken auf lange Sicht sehr hilfreich sind. Vielleicht ist es ganz gut mal nach zufragen, woher diese Angst kommt und warum sie da ist? Das wäre für mich ein Teil der Definition von "Bewältigung". Dass das nicht immer gleich gut geht, ist schon klar.

      Anton schrieb:

      Und weg/verdrängen aller Ängste ist für mich "normal Leben" - also ich werd in der Regel gottlob nicht wirklich von Ängsten begleitet. Aber ich kenn sie gut.
      Entschuldige bitte, aber irgendwie finde ich, dass du dich einwenig widersprichst. Du zählst all die Ängste auf, die dich überfallen und du schreibst davon, dass du deine Ängste wegverdrängst. Gleichzeitig sagst du aber auch, dass du eigentlich keine Ängste hast. Aber das stimmt ja dann gar nicht, du hast sie doch eben beschrieben. Und etwas verdrängen kann man doch nur, wenn auch etwas da ist, das man verdrängen kann??? Aber vielleicht habe ich dich falsch verstanden...

      rumpelstilz schrieb:

      Angst bewältigen muss nicht zwangsläufig heissen, sie aus der Welt zu schaffen! Es gibt Ängste, die lassen sie nicht aus der Welt schaffen - es gibt aber Wege, mit der Angst zu leben und das ist dann eben auch als Bewältigung anzuschauen!


      Ich erlaube mir, mich selbst zu zitieren. :D
      Bewältigung heisst für mich, etwas innerlich verarbeiten, mich mit etwas auseinander zu setzen. Und das kann dann eben wie oben beschrieben auch heissen, Angst evtl. nicht aus der Welt schaffen zu können, ihr aber eine andere Qualität zu geben. Damit meine ich aber Ängste, die ich in "Ruhe" angehen kann und nicht solche, wo ich direkt bedroht werde und rational nicht mehr denken und handeln kann - wie z.B. wenn ich von jemand mit einer Pistole bedroht werde u.ä.
      Verdrängung und Bewältigung sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe, die man in keiner Weise miteinander vergleichen kann.
      Guten Abend :)

      Ich habe das Thema hier schon lange gesehen, aber es nicht betreten wollen. Es war mir zu persönlich. ;) Siehe da, nun habe ich auf "antworten" geklickt.

      Als Jugendliche fand ich 2 Dinge total schauderlich: das Gegluckere und Geplätschere, das Absaufen in der Filmmusik von "Big Blue". Das machte mir fürchterliche Angst. Heute finde ich die Geräusche gut, ich weiss wo ich herkomme und habe eine Beziehung zu dieser früheren Angst. Etwas anderes fand ich zur selben Zeit mindestens genauso gruselig: das Bild "der Schrei" von Edward Munch! Ein ovales Gesicht, das vor Grauen und Schwingungen wegrennt, auf einer Brücke, in sehr vielen Farben und vor allem in roten und orangenen Tönen gehalten.

      Im vergangenen Jahr bin ich mir bewusst geworden, dass ich Ängste in mir trage und dass sie z.T. existenziell sind. Ich war alleine im Urlaub, war total unruhig, konnte keine vernünftigen konsequenten klaren Entscheidungen bzgl. Unterkunft treffen. D.h., ich hatte im Vorfeld nicht berücksichtigt gehabt, dass ich eine gewisse Ordnung und Sicherheit im Urlaub brauche. Daher ist mein diesjähriger Urlaub in der Hinsicht geplant worden, ich habe mir ein Angebot gemacht, alles abgechequeckt und reserviert. Ob ich das dann wirklich wahrnehme ist ein anderes Ding, aber ich habe mich vor "und was wenn das einzige freie Hotelzimmer mein Budget 10x übersteigt"-Befürchtungen geschützt und genau geguckt, wo ich hinwill, worauf ich Lust habe, wie ich dahin komme, was praktisch ist und wo man da budgetgemäss unterkommen kann. In anderen Worten, anhand dieses praktischen Beispiels habe ich erfahren, dass ich Angst vor dem Ruin und der Verantwortung habe. So übernehme ich die Verantwortung im Vorfeld, um mich vor Ort nicht zu überfordern und den Urlaub zu geniessen.

      Die existenzielle Angst, die ich letztes Jahr fühlte ging einher mit anderen Situationen, die mir in vielerlei Hinsicht die Augen öffneten. Ich begann die Vermutung zu hegen, dass es schon die halbe Miete sein kann, seine Ängste zu kennen und ihnen begegnen zu können. Eines Tages lief ich dann vor einem Geschäft vorbei, wo im Schaufenster eine Kopie von "Der Schrei" von Munch in einem kleinen Rähmchen hing. Ich ging schnurrstrackts hinein und kaufte es. Seitdem hängt Munch in meiner Wohnung und macht sich da sehr gut. Ich lebe mit ihm und finde das Bild passend. Es macht mir keine Angst mehr. Es ist mein Bild.

      Ich denke, das wichtigste ist der Seelenfrieden, wenn man den mit seiner Angst findet, dann ist das wirklich gut. :wave:
      Und ich wollte eigentlich schon zu Bett gehen, da habe ich doch noch gewagt einen Blick ins Forum zu werfen. Und siehe da, ich konnte es auch nicht sein lassen... :D

      Vielen Dank Jule, für deine schöne Umschreibung. Mich interessiert da etwas, ich verstehe aber, wenn du nicht genauer darauf eingehen willst... Wie darf man das verstehen?

      Jule schrieb:

      ...Heute finde ich die Geräusche gut, ich weiss wo ich herkomme und habe eine Beziehung zu dieser früheren Angst...
      Der junge Soldat wimmernd zum Spieß, nachdem er sich eine Sekunde aus Angst hat gehen laßen,:

      :heulen: :plnot: Aah, ich hab versagt, ich hatte Angst! :schniff:

      Der väterliche Spieß,:

      :troest: Macht nix, wer keine Angst hat wird unvorsichtig :agree:, jeder gute Soldat der langer Leben will sollte Angst haben. :peitsche: Und jetzt wieder zum Angriff!!

      Der Rekrut,:

      :boots: :boots: :boots: :boots:
      Ich kopiere mal einen Artikel hier rein. Ist interessant, anschaulich und kann auch zu neuen Diskussionen führen:

      Angst
      aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

      Der Begriff Angst (v. lat.: angustia = Enge) bezeichnet eine Empfindungs- und Verhaltensänderung aus Ungewissheit, (körperlicher) Anspannung und Furcht, die durch eine eingetretene oder erwartete Bedrohung (z.B. Schmerz, Verlust, Tod) hervorgerufen wird.

      Biologisch gesehen ist die Angst ein Stresszustand von starker Intensität als Antwort auf eine wahrgenommene Bedrohung, verbunden mit einem Gefühl körperlicher Spannung sowie starken Impulsen, der Situation zu entfliehen.

      Überblick

      Angst gilt als eine der primären Emotionen. Sie ist normalerweise ein in die Zukunft gerichtetes Warnsignal. Da sie bei Bedrohung Anlass zu einem Vermeidungsverhalten gibt, schützt sie vor Gefahr und dient der Selbsterhaltung. Sie ist in diesem Fall ein biologisch angelegtes, sinnvolles Reaktionsmuster, dass der Energiebereitstellung dient ("Kampf- & Fluchtreaktion").

      Ängste können ausgelöst werden durch bedrohliche Situationen oder ihre Erwartung, durch Personen, Aussagen, Orte oder Erinnerungen. Die Auslöser können intern sein (etwa Symptome einer beobachteten körperlichen oder seelischen Unregelmäßigkeit) oder extern (z. B. Medienmeldungen über Lebensmittelskandale oder Katastrophen). Daneben können auch körperliche Erkrankungen wie etwa eine Schilddrüsenfehlfunktion aber auch seelische Störungen als Ursache von überschießenden Angstgefühlen in Betracht kommen.

      Die körperlichen Symptome der Angst werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Im sogenannten limbischen System des Zwischenhirns liegen zwei mandelförmige Nervenknoten (Mandelkerne, lat. Amygdalae), die der Bewertung einer Situation als gefährlich oder bedrohlich dienen. Alle Wahrnehmungen werden hier auf potentielle Gefahr überprüft. In funktionellen Magnetresonanztomografien lässt sich folgerichtig nach entsprechenden Reiz-Konfrontationen eine erhöhte Aktivität der Amygdala nachweisen.

      Die Amygdala vergleicht das Reizmuster der jeweiligen Situation unter Zuhilfenahme des präfrontalen Kortex und des Hypocampus mit

      * angeborenen Schlüsselmerkmalen (z.B. Enge, Dunkelheit, Höhe, bestimmten Schemata wie z.B. Reißzähnen) sowie mit
      * Erfahrungswerten.

      Sind eine Situation oder ein Gedanke unbekannt oder enthalten entsprechende Schlüsselreize, werden sie als potentiell bedrohlich eingestuft. Liegen Erfahrungswerte vor, wird anhand der Erinnerungen bestimmt, ob in dieser / vergleichbaren Situationen früher bereits ein Erregungszustand bestand. Auch in diesem Fall schaltet der Körper auf Alarm.

      Aus dieser "lernfähigen" Angstreaktion entstehen sowohl adäquate Ängste vor bisher unbekannten Themen wie auch objektiv unbegründete Ängste bis hin zu Angststörungen.


      Ablauf der Angstreaktion

      Hat die Amygdala eine Situation als bedrohlich eingestuft, wird über eine netzförmige Nervenstruktur im Hirnstamm das sogenannte ARAS (Aufsteigendes Retikuläres Aktivierungssystem) der gesamte Organismus in Alarmbereitschaft versetzt. Im Vegetativen Nervensystem überwiegt dann die Aktivierung des Sympathikus. Dazu werden Hormone ausgeschüttet (u.a. Adrenalin), Nervenzellen vor-erregt und eine ganze Reihe von körperlichen Veränderungen eingeleitet, die den Körper auf Kampf oder Flucht vorbereiten. Das führt u.a. zu folgenden Reaktionen:

      * Erhöhte Aufmerksamkeit, Erhöhte Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns bei gleichzeitiger thematischer Einengung auf die angstauslösende Situation
      * Empfindlichere Wahrnehmung (Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher)
      * Erhöhte Muskelanspannung, Erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit
      * Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
      * Flachere und schnellere Atmung
      * Energiebereitstellung in Muskeln und Nervenzellen
      * Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl

      Diese sinnvollen Reaktionen klingen nach Ende der bedrohlichen Situation relativ schnell wieder ab.

      Störungen der Angstreaktion

      Angst kann auch pathologische (krankhafte) Formen annehmen. Beispiele dazu sind die Phobien, u.a. die soziale Phobie (die Angst vor Menschen), oder die Agoraphobie (die Angst vor freien Flächen), oder spezifische Phobien wie die Angst vor Hunden, vor Tieren im Allgemeinen, vor Blut oder Gewitter. Weitere angstbezogene Störungen sind die Panikstörung, die generalisierte Angststörung und die mit Angst einhergehende Posttraumatische Belastungsstörung. (Mehr Informationen über Störungen der Angstreaktion finden sich unter Angststörung.)

      Der größte Unterschied zwischen phobischen Störungen und anderen Angststörungen ist die Objektbezogenheit. Während phobische Ängste sehr objektbezogen sind, lässt sich bei anderen Angststörungen meist kein äußerer Anlass für die aufkommende Angst erkennen.

      Risikofaktoren zur Entstehung einer Angststörung sind: Alter, Geschlecht, genetische Faktoren, soziales Umfeld und gesellschaftliche Anerkennung, Kindheitsentwicklung/Erziehung, belastende/traumatische Erlebnisse.

      Historische Einordnung

      In der psychologischen Literatur taucht der Begriff der Angst erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf und bezeichnet zunächst, nach S. Freud, eine neurotisch übersteigerte Furcht (Angstneurose). Später wurde der Begriff allgemeiner verwendet. Manche Autoren trennen das subjektive Gefühl der Angst, bei der man u. U. nicht genau benennen kann, wovor man sich fürchtet, von der objektiv auf einen Gegenstand oder ein Ereignis bezogenen Furcht.

      Das Wort „Angst“ gibt es auch im Englischen. Es bedeutet so viel wie Existenzangst. Sie sprechen von "angst-ridden" (Angst beritten). Vermutlich wurde das Wort 1849 von George Eliot eingeführt.

      „Angst ist etwas, das einem im sonnigsten Tag die Schatten zeigt“ (Jaroslaw Osiak)

      rumpelstilz schrieb:

      Sind eine Situation oder ein Gedanke unbekannt oder enthalten entsprechende Schlüsselreize, werden sie als potentiell bedrohlich eingestuft.
      Einfacher ausgedrückt: Was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst."

      rumpelstilz schrieb:

      Liegen Erfahrungswerte vor, wird anhand der Erinnerungen bestimmt, ob in dieser / vergleichbaren Situationen früher bereits ein Erregungszustand bestand. Auch in diesem Fall schaltet der Körper auf Alarm.
      Dazu fällt mir ein: Once bitten - tiwce shy.

      Eigentlich sehr interessant, aber doch ein wenig zu... zu... na wie sagt man dem denn? Fachmännisch? Wie auch immer, ich erkenne viele Dinge in diesem Text, die eigentlich schon auf viel einfachere, verständlichere Weise hier erwähnt wurden. Aber trotzdem, danke Rumpel!

      Puma schrieb:

      Eigentlich sehr interessant, aber doch ein wenig zu... zu... na wie sagt man dem denn? Fachmännisch?


      Wie sagt man denn? :scratch: Zu technisch! Stimmt schon. Hat halt nix mit Selbsterfahrung zu tun und von daher fehlt in diesem Text natürlich das Herzblut. Aber trotzdem: Nichts gegen die Wissenschaft. Ab und zu und zu bestimmten Themen, lese ich gerne solche Texte. Die können einem nämlich auch Neues vermitteln und dadurch unter Umständen eben auch neue Erkenntnisse und neues Verständnis für ganz Vieles. Ich hab mir überlegt, ob ich den Text hier reinkopieren soll oder ob der nicht vielleicht die ganze, interessante Diskussion lahmlegt. Falls das der Fall wäre, läge das aber weniger am Text sondern an den Forumianern. Ich hab in meiner Ausbildung einiges an wissenschaftlichen, technischen Dingen in mich reinwürgen müssen und das meist mit eher weniger Begeisterung. Bleibt aber trotzdem zu sagen, dass ich einiges erst dadurch gelernt, erfahren und verstanden habe und das war eigentlich der Auslöser, diesen Text hier reinzusetzen. Ich gelobe aber, dass ich das nicht allzu häufig wiederholen werde!! :D
      Also kommen wir wieder zurück zu persönlicheren Angelegenheiten, zu mir! :D
      Menschen mit einer Suchtproblematik erleben vor Beginn ihrer Sucht innere Unruhe, Spannungszustände, innere Unzufriedenheit und andere Angstsymptome. Bei mir fand das seine erste, ziemlich heftige Manifestation in der Phase der Adoleszenz (@ Puma ;) ). und war dann eben so heftig, dass ich im Sinne einer Selbstmedikation zu immer härteren Drogen griff, um diese Angst "zu besiegen". Bei mir waren es vor allem illegale Drogen, bei anderen sind es Alkohol, Tabletten, Psychopharmaka. Andere Suchtgefahren sind die Flucht in die Arbeit, die Eßsucht, die Sucht nach Abenteuer und gefährlicher Grenzerfahrung oder die Sucht nach Zuständen der Verliebtheit. Auch die Gier nach Hab und Gut, die Sucht nach Macht können zu den wenig tauglichen Mitteln gehören, um Angst loszuwerden. Wenn man dann aber endlich mal von der "angstlösenden" Substanz abhängig ist, beginnt natürlich ein ganz anderes, zusätzliches Problem.
      Ich hatte die Chance, durch die Therapie dann eben nicht nur meine Drogensucht zu überwinden sondern auch das, was mich (vor allem) dazu geführt hat: Meine diffuse Lebensangst.