Was löst Depressionen aus?

      Hallo Fool!

      Ich hab grad nicht mehr Zeit, wollte dir aber für deinen Beitrag hier danken! Es hilft mir sehr weiter, über persönliche Erfahrungen zu hören. Das hinterlässt bei mir einen tiefen Eindruck. Ich werde mal versuchen in Erfahrung zu bringen, welches Medikament A einnimmt. Vielleicht kennt das ja jemand von euch.

      Ich wünsche euch einen schönen Tag :iceman:

      Venus

      Kleines Angebot und lange Story

      Hallo Venus,

      ein kleines Angebot an dich. Du kannst mir gerne privat mailen und ich erzähle dir dann eine lange Story über Psychologie, Psychiatrie und Medikamente und wie man da wieder rauskommt.
      Als kurzer Vorgeschmack: Ausbildung>Mobbing>Beginn der Entwicklung einer Angst/Panikstörung>jahrelange Suche von Schulmedizinern nach körperlichen Ursachen wegen der körperlichen Symptome (x-mal CT,Röntgen;EEG, EKG,X-mal Blutbild,Punktionen, usw.usf)>schließlich Diagnose "psychosmatische Dysfunktion">erster Psychiater>unfähig>unmengen Psychopharmaka>dann das "Todesurteil" Benzodiazepine>Abhängigkeit>Psychiater verweigert schließlich das Medikament>Rezeptfälschung und auch mal -Diebstahl>jahrelang gutgegangen, dann aufgeflogen>Gericht>Geldstrafe>diverse Entzugsversuche, einer davon endete im Delirium tremens>110/112>richterliche Einweisung in geschl. Psychiatrie für 3 Monate wegen Eigen- und Fremdgefährdung....

      Ich denke, das reicht für den Anfang.

      Jetzt>Behandlung mit klassischer Homöopathie>sehr guter Arzt>langsame Substitution von den Benzos>wieder arbeiten>aber Alles super anstrengend für Körper, Geist und Seele.

      Halt deinen Freund bitte, bitte von diesen Benzodiazepinen fern. Wenn er solche verordnet bekommen hat, dann DARF er die nicht nehmen. Ein Benzodiazepinentzug ist der schlimmste Entzug, den es überhaupt gibt. Dagegen ist sogar ein kalter Heroinentzug ein Spaziergang. Damit du schon mal einen Überblick über die Benzo-Handelsnamen hast, gebe ich dir ein paar:
      Valium/Diazepam, Tavor, Tafil (da Schlimmste), Librium Tabs, Lexotanil, Bromazepam, Gityl 6, Oxazepam, Dormicum, Praxiten, Faustan, Frisium, Tranxilium uvm.

      Zum Teil sind es Präparatenamen, zum Teil Wirkstoffnamen. Diese Medikamente machen sofort hochgradig abhängig, weil sie eben so gut wirken.

      Ich will dir keine Angst machen, sondern dich bzw. deinen Freund vor der Einnahme solcher Mittel warnen. Und jeden Anderen auch. Es ist den tollen Medizinern leider erst vor kurzem aufgefallen, daß die Zahl der Medikamentenabhängigen die Zahl der Alkoholiker schon fast erreicht, wenn nicht sogar schon überschritten hat. Deswegen sind die Vorsichtsmaßnahmen für die Verschreibung und Herausgabe dieser Medikamente vor kurzem stark verschäft worden. Zum Teil gibt es sie nur noch auf BTM-Rezept. Zumindest ist es jetzt normaler Standard, daß ein Hausarzt solche Medikamente gar nicht mehr verschreiiben darf, wenn er nicht eine entsprechende Zusatzausbildung hat. Außerdem muß auf dem Rezept der Name und die Stärke sowie die Menge vom Arzt von Hand ausgefüllt werden und zusätzlich abgestempelt werden, damit nichts abgeändert werden kann.

      Wenn du mehr wissen möchtest, oder Fragen zu bestimmten Medikamenten hast, dann melde dich ruhig. Ich habe Zugang zur roten Liste (fragt mich nicht, voher) und könnte da notfalls noch nachschauen.


      Viele Grüße,

      Fool
      @Helena:

      ja, ich habe es mal mit einer Therapie versucht 75% Verhaltens und 25% Tiefenpsychologisch. Aber alleine schon die Suche nach einem geeigeneten Therapeuten hat Monate/Jahre gedauert. Erstmal haben alle sehr lange Wartezeiten, dann hat man 5 probatorische Sitzungen, um zu sehen, ob man zueinander paßt und miteinander kann und das dauert, bis man den Richtigen hat. Aber zuerst waren eben nun mal die Schulmediziner jahrelang mit der Ursachenforschung beschäftigt und dann wird man eben als nächstes zum Psychiater geschickt, der einen mit Medikamenten bombardiert.
      Das große aber ist jedoch, daß ein vernünftiger Therapeut nicht mit jemandem arbeitet, der unter der Einwirkung von Benzodiazepinen steht, da diese eben die Angst vollkommen nehmen und damit eine wirksame Therapie unmöglich ist. zuerst steht also immer der Entzug bzw. das Absetzen. Bei Antidepressiva sieht das anders aus. Da ist eine Therapie durchaus möglich und sinnvoll, weil die Symptome nicht so massiv unterdrückt werden. Aber auch hier ist die Suche nach einem geeigneten Therapeuten/in sehr langwierig.

      Normalerweise werden Benzos heute nur als kurzfristige Lösung zur Überbrückung eingesetzt, bis man eine Therapie beginnt und/oder die antianxiolytischen Antidepressiva wirken. die angstlösende wirkung von den neueren Antidepressiva setzt nämlich erst nach 2-4 wochen ein. Danach sollten die Benzos auch langsam wieder ausgeschlichen werden.

      Bei mir hat leider weder eines der unzähligen Antidepressiva noch anderer Psychopharmaka gewirkt - auch in höchster Dosierung und Langzeitbehandlung - und auch die Psychotherapie war nicht wirklich das Wahre. Da habe ich jetzt in meinem neuen Arzt einen besseren Therapeuten gefunden. Erstmal nimmt er sich viel Zeit (min. 10 Minuten für einen Kassenpatienten, wenn nicht noch länger) und dann jeweils 1-1,5 Stunden für die homöopathischen Anamnesegespräche. Und er hört wirklich zu, redet Klartext, ist immer für mich erreichbar (ich habe seine Handynummer bekommen) und ich therapiere mich jetzt eben selber. D.h. ich kann frei entscheiden, welche Medikamente ich nehme und wie ich die Benzos absetze. Zum Absetzen sind wir auf ein Medikament namens Rivotril umgestiegen, daß zwar die entzugs/Absetzerscheinungen mildert, aber hauptsächlich bei Epilepsie eingesetzt wird un keinerlei angstlösende oder bewußtseinsbeeinflussende Wirkungen hat. Und natürlich die Homöopathie, die wirklich wirkt. Nach diversen Reaktions- und kognitiven Test durfte ich dann auch wieder arbeiten usw. Und dieser Schritt zurück in die Realität ist für mich die Therapie. Alles Andere ergibt sich von selbst.
      Aber im Endeffekt muß jeder seinen Weg für sich finden.

      Viele Grüße,

      Fool
      Oh, da hast du tatsächlich ne ganze Menge hinter dir. Tut mir wirklich leid, das zu lesen, v.a. dass du so wenig Glück mit Therapeuten und Ärzten hattest.
      Ja, es stimmt, die Suche nach einem geeigneten Psychologen ist oft langwierig und auch die langen Wartezeiten erleichtern das ganze nicht unbedingt. Ich verstehe auch nicht, warum das Kontingent an Psychopraxen nicht erhöht wird, der Bedarf ist ja da ...
      Schön, dass du nun eine Variante (Homöopathie) für dich gefunden hast, die dir zumindest ein wenig hilft. Vielleicht kannst du auf lange Sicht trotzdem in Ruhe weiter nach einem guten Psychologen suchen, bei dem du im Anschluss oder begleitend zu deiner jetzigen Behaqndlung eine Therapie machen kannst. Ich bin überzeugt, dass dir das sehr helfen könnte. Aber natürlich musst du genug Kraft und Geduld für die Suche haben, und ich weiß nicht, ob du das im Moment hast.
      Viel Glück auf deinem weiteren Weg!
      Helena
      Hallo ihr!

      Ein kurzer Zwischenstand: A hat sein Medikament freiwillig abgesetzt, also ohne Druck von aussen. Es war angeblich nur ein leichtes Mittel (den Namen weiss ich nicht). Den Ausschlag für seine Entscheidung hat wohl die Erkenntnis gegeben, dass er sich selber besser spüren möchte. Sprich, wenn es ihm gut geht, dann möchte er wissen, dass dies seine eigenen Gefühle sind und nicht durch Medikamente ausgelöst wurden. Und wenn es ihm schlecht geht, dann weiss er auch warum. Zur Zeit habe ich den Eindruck, dass er ein Hoch hat ... er glaubt, das Schlimmste sei schon überstanden. Allerdings denke ich, dass es bald wieder nach unten gehen wird, da A momentan nach einer Patentlösung sucht, statt sich den Ursachen für seine Depression zu widmen. Aber die Erfahrung gehört wohl dazu. Einfach ist das nicht. :nene:

      Danke für den Link Sonne! :)

      Fool, deine Geschichte stimmt mich sehr nachdenklich und macht mich betroffen. Ich bewundere dich für deine Kraft, den Kampf tagtäglich aufzunehmen. Danke für deine offenen Worte! Ich hoffe, du verstehst das Folgende nicht falsch. Ich freue mich sehr über deine Beteiligung hier in diesem Thread und hoffe, dass du weiterhin deine Erfahrungen mit uns teilst. Wenn du magst, kannst du gerne einen Thread aufmachen und über deine Vorgeschichte berichten. Ich werd mir dann die Zeit abzwacken und regelmäßig vorbeischauen. Wenn du mir deine Geschichte - die mich durchaus interessiert - allerdings privat schreibst, wirst du wahrscheinlich enttäuscht darüber sein, dass ich dir nicht so viel Zeit widmen kann, wie du es verdienen würdest. So könnten aber mehrere Personen ihre Gedanken mit dir teilen und du bekämst sicherlich bessere Unterstützung, als ich es allein könnte. Auch wenn du dies mit einer PN an mich gar nicht bezwecken solltest, so würde ich mir doch sehr viele Gedanken machen, wie ich dir am besten helfen könnte. Und würde am mangelnden fachlichen Hintergrundwissen meinerseits, Zeitknappheit und auch daran scheitern, dass mein Helferpotential für ernste Fälle zur Zeit fast aufgebraucht ist. :help: Habe ich mich einigermaßen verständlich ausgedrückt? :confused: Ich hoffe, ich habe dich mit meinen Worten nicht verletzt!

      Venus :wave:
      Hallo,

      @Venus. das A. sein Medikament selber abgesetzt hat - ob leicht oder nicht - finde ich super. Es geht auch mir vor allem darum, mich und meine Gefühle bewußt wahrzunehmen und nicht durch irgendwelche Chemie betäubt oder unterdrückt. Ich bin durch dein worte keinesfalls verletzt oder angegriffen. Mittlerweile braqucht es schon etwas mehr, um mich richtig aus der Bahn zu werfen. (Das was ich in dem Thread "Helfer braucht Hilfe" als letztes Posting geschrieben habe, wirft mich aber fast aus der Bahn, wenn nicht sogar ganz...).


      Viele Grüße,

      Fool
      Hallo zusammen!

      Wollte euch den letzten Stand der Dinge mitteilen. Mit A geht's aufwärts, er denkt darüber nach, gewisse Dinge in seinem Leben zu ändern (v.a. beruflich), um nicht wieder in eine solch depressive Phase zu geraten. Er hat die Depression zwar noch nicht völlig überwunden, aber ein Aufwärtstrend ist deutlich zu bemerken. Ich hoffe wirklich, dass er keinen Rückschlag erleidet.

      Venus :)
      Hallo,
      die Ursache für Depressionen mögen rein wissenschaftlich tatsächlich endogen sein. Trotzdem muß man sich fragen, warum manche Leute Depressionen bekommen und die anderen davon verschont bleiben. Ich arbeite viel mit Menschen zusammen und habe festgestellt, daß die meisten depressiven Menschen mit sich und der Umwelt unzufrieden sind. Sie erwarten immer mehr als das was sie kriegen könnten. Sie sitzen dann depressiv und traurig in der Ecke und versprechen sich von Tabletten Wunder. Das gibt es nicht! Irgendwann verlieren auch die Tabletten ihre Wirkung und dann wissen die Leute nicht mehr weiter. Klar ist jeder mal traurig. Aber man ist für das eigene Leben selbst verantwortlich. Man ist der Regisseur seines Lebensfilms. Die beste Methode um seine Traurigkeit loszuwerden ist darüber sprechen, nach Lösungen suchen und diese auch verwirklichen.Oft steckt auch Langweile und Unzufriedenheit dahinter. Man kann alles haben, im Beruf erfolgreich sein, aber wenn man innerlich nicht ausgeglichen ist und immer nur nach mehr strebt. Anstatt mit dem glücklich zu sein, was man schon hat, wird man immer unzufriedener.Komischerweise treten Depressionen in den Ländern der Dritten Welt nicht so häufig auf, wie bei uns. Die Leute sind den ganzen Tag beschäftigt, um überleben zu können. Sie haben keine ZEIT für Depressionen. In vielen Psychiatrien werden Beschäftigungsprogramme aufgestellt und die Patienten den ganzen Tag so beschäftigt, daß sie gar nicht dazu kommen über irgendwelche Probleme pausenlos zu grübeln.

      eva schrieb:

      Die beste Methode um seine Traurigkeit loszuwerden ist darüber sprechen, nach Lösungen suchen und diese auch verwirklichen.


      Eva, ich denke auch, dass die aktive Suche nach Lösungen ein wichtiger Schritt bei der Behandlung von Depressionen ist. Doch ich stelle fest, dass es schwierig zu sein scheint, über die Ursachen und hintergründigen Ängste zu sprechen.

      Mit A geht's auf und ab. Vor kurzem sah er sich in einer Hochphase und glaubte, alles überwunden zu haben. Doch die Ursache ist er nicht angegangen. Dann ging's wieder bergab und langsam kristallisiert sich sogar für ihn heraus, dass er nur Oberflächenkorrektur betreibt. Wer weiss, wie das noch weitergeht ...

      Venus